×

Der Tunnel der anderen

02.07.2018

Die Fehmarn-Belt-Röhre sorgt in Dänemark für Begeisterung – bei uns eher nicht…, schreibt der Express Köln.

Seit mehr als 50 Jahren gibt es die Idee. Eine feste Verbindung zwischen der Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland. Schon die Pläne, eine Brücke zu bauen, sorgten aber für Protest. Seit 2011 soll es nun ein Tunnel werden. Doch auch dagegen laufen die Gegner Sturm. Anwohner, Gastronomen, Fährbetriebe und Umweltschützer haben dafür unterschiedlichste Gründe – und sicherlich nicht nur uneigennützige, schreibt der Express Köln.

Die Reise zu den „Fehmarnbelt Days“ in Malmö muss für Bernd Buchholz (FDP) ein Wellness-Trip gewesen sein. Während der zwei Tage musste der schleswig-holsteinische Verkehrsminister den geplanten Tunnel zwischen der deutschen Insel Fehmarn und ihrem Pendant Lolland auf dänischer Seite nicht ein Mal verteidigen. Kein Wunder: Die Skandinavier sind große Fans der festen Querung. Auf18 Kilometer Länge sollen vier Autospuren und zwei Röhren für Schnellzüge Dänemark und Deutschland ab 2028 unter dem Meeresgrund verbinden. Mit dem ICE bräuchte man dann nur noch zweieinhalb Stunden von Hamburg nach Kopenhagen.

Für Buchholz ist der Tunnel, jedoch viel mehr als eine Verbindung zwischen Hamburg und Kopenhagen. „Er ist eine Verbindung von Skandinavien und Zentral-Europa.“ Die Dänen, ihres Zeichens überzeugte Europäer, finden die Idee so gut, dass sie das Projektgaralleinfinanzieren– mittlerweile soll es nach Informationen des Landes Schleswig-Holstein 7,1 Milliarden Euro kosten. Deutschland hingegen muss nur die Anbindung an den Tunnel zahlen. Das könnten nach aktuellen Schätzungen zwischen 800 Millionen und 2,2 Milliarden Euro werdem, so das Blatt. 

„Für die Natur und uns Steuerzahler wäre es ein Segen, wenn das Projekt scheitert“, sagt der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes Leif Miller. Der NABU kritisiert vor allem den Plan der Baufirma Femern A/S, einen sogenannten Absenktunnel zu bauen. Dabei werden die einzelnen 217 Meter langen und 70000 Tonnen schweren Betonelemente an Land gefertigt, um sie danach auf die Ostsee zu schleppen und zu versenken. Der Belt zwischen Lolland und Fehmarn ist ein Schutzgebiet, in dem auch der seltene Schweinswal lebt, schreibt der Express. 

Um ihn zu schützen schloss der NABU eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Allianz: Gemeinsam mit den zwei Fährunternehmen Scandlines und Stena Line kämpfen die Umweltschützer vor dem Europäischen Gerichtshof gegen Beihilfen, die der dänische Staat der Femern A/S gewährt. Erst Mitte Mai betonte der WWF jedoch: „Unterwasserlärm durch starken Schiffsverkehr, wie er beispielsweise von Fährlinien ausgeht, beeinträchtigt Schweinswale“. Wieso stellt sich dann der NABU auf die Seite eben dieser Fährunternehmen? Es könnte eine Rolle spielen, dass der NABU einen Beratungsvertrag mit Scandlines hat, für den das Unternehmen nach Aussage der Umweltschützer einen „höheren fünfstelligen Betrag“ zahlt. Als Gegenleistung will der NABU Scandlines helfen, „Abgase, Lärm und Müll zu vermeiden“, wie es auf der Internetseite heißt. „Das klare Ziel: emissionsfreie Fährschifffahrt.“

Streitpunkt Güterverkehr

Aber wäre gar keine Fährschifffahrt nicht noch besser für den Schweinswal? Nach der Eröffnung des Tunnels könnte es nämlich sein, dass die Schiffe gar nicht mehr gebrauchtwerden. Auch die anderen Argumente der Tunnel-Gegner sind häufig geprägt von Eigennutz. So kämpfen die Anwohner, Hoteliers und Gastronomen in Ostholstein gegen den Tunnel, weil durch ihn der Güterverkehr künftig durch die Urlaubsregion rollen würde. „Das bedroht die Zukunft unserer Heimat“, heißt es beim Aktionsbündnisses „Beltretter“, dem auch Kreisverbände der Grünen in Schleswig-Holstein angehören. Deren Vorsitzender Robert Habeck, der selbst in Flensburg wohnt, kritisiert ebenfalls das Milliardenprojekt – aber aus gegenteiligem Grund: Der lukrative Güterverkehr würde aus seiner Region verschwinden, so das Blatt.