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Neuer Umweltminister: Jan Philipp Albrecht: Minister für draußen und Digitales

29.08.2018

Ende dieser Woche wird Jan Philipp Albrecht Nachfolger von Umweltminister Robert Habeck, schreibt shz online.

Es fällt noch etwas schwer, sich das vorzustellen: Jan Philipp Albrecht auf einem Trecker, schreibet die shz online.  Zwar stammt der 35-Jährige vom Land, doch bislang hat der Europapolitiker, der sich auf Digitalisierung spezialisiert hat, eben noch kaum im Licht der Öffentlichkeit gestanden – schon gar nicht als grüner Minister, in einem eher ländlich-konservativen Bundesland wie Schleswig-Holstein.

„Ich bin vielleicht der Minister für draußen und Digitales – ich setze noch einen drauf“

Doch genau das wird er Ende der Woche sein, wenn er die Nachfolge von Robert Habeck als Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung antritt. Angst hat Albrecht nicht davor. „Es sind große Fußstapfen, die Robert Habeck hinterlässt“, sagt Albrecht. „Aber ich habe ja auch keine kleinen Füße.“ Noch mehr: Habeck hatte sich bei seinem Amtsantritt vor sechs Jahren selbst als „Draußenminister“ bezeichnet. „Ich bin vielleicht der Minister für draußen und Digitales – ich setze noch einen drauf“, sagt Albrecht.

Selbstbewusst soll der Satz klingen, den er sich vorher zurecht gelegt hat. Doch die große Frage bleibt: Kann er das?

Ein neuer grüner Minister für Umwelt und Landwirtschaft gerät immer ins Visier von Interessenverbänden. Auf der einen die Umweltgruppen, die hoffen, dass Albrecht sich mehr für ihre Belange einsetzen wird als sein Vorgänger. Auf der anderen Seite Bauern- und Milchviehhalter, Fischer und Jäger, die versuchen werden, den Jung-Politiker einzunorden, so die shz.

Architekt der europäischen Datenschutz-Grundverordnung

Es wird spannend, ob Albrecht diesen öffentlichen Druck aushalten wird. Mit Widerständen umzugehen, das hat er gelernt. Als Netzpolitiker hat er mehr als einen Hass-Kommentar bekommen. Albrecht ist der Architekt der europäischen Datenschutz-Grundverordnung, mit der er die Macht und Daten-Sammelwut von internationalen Internetkonzernen brechen wollte. Für die jahrelange Arbeit hat er viel Lob bekommen, aber noch mehr Widerstand – nicht nur von den Konzernen, sondern auch von kleinen Betrieben, die ein Bürokratiemonster fürchteten.

Dialog mit seinen Kritikern

Doch der Widerstand aus dem Netz ist etwas anderes als wenn man in eine Halle kommt, in der einen 1000 Bauern auspfeifen, wenn man an der Autobahn Schilder sieht, auf denen Slogans stehen, die einen persönlich treffen sollen, wenn einem die Menschen auf Demonstrationen ihre Verachtung ins Gesicht brüllen. Robert Habeck hat gelernt, damit umzugehen, er hat eine Form des Dialoges mit seinen Kritikern gefunden, die ihm Respekt eingebracht hat. Albrecht steht das noch bevor, wenn es die ersten Diskussionen über die Verteilung von Dürre-Hilfen für die Landwirtschaft gibt, über Güllemengen oder die Reform der EU-Subventionen.

„Fast alle Themen, werden Europa-Themen sein“

Der neue Minister will weiter lernen, sagt er. Aber auf vieles fühle er sich auch schon gut vorbereitet. „Fast alle Themen, die ich im neuen Ministerium habe, werden Europa-Themen sein“, sagt er. Dass er dabei andere Akzente setzen wird als sein Vorgänger, ist nicht unbedingt zu erwarten – dafür sind sie sich in ihrem politischen Grundverständnis zu ähnlich. Vielleicht kümmert Albrecht sich etwas mehr um die Digitalisierung, aber einen Generations- und Richtungswechsel gibt es nicht – Albrecht ist drei Jahre länger Mitglied bei den Grünen als Habeck, so die shz.

Wer sich für Naturschutz einsetzt, soll mehr Geld bekommen

Mancher mag Albrecht für einen Nerd halten, auf älteren Fotos trägt er wirre Frisuren und aus der Zeit gefallene Brillen – und natürlich sein Markenzeichen: das Ringelshirt. Doch unterschätzen sollte man ihn nicht, der Bald-Minister hat in seinen neun Jahren als Abgeordneter im EU-Parlament viel gelernt – über Macht, Einfluss und das Austarieren von Interessen. Dabei hat er eine klare grüne DNA: Er kommt aus der Umweltbewegung, in der Nähe seines Heimatortes Wolfenbüttel liegt das Atommülllager Asse II – und er kennt sich mit der europäischen Landwirtschaftspolitik und deren Fördermechanismen aus. Wie Habeck und die meisten anderen Grünen pocht Albrecht darauf, dass Agrarsubventionen aus Brüssel an Bedingungen geknüpft werden. Wer also den Boden und die Gewässer schont, wer sich für Naturschutz einsetzt und extensiver wirtschaftet, soll mehr Geld bekommen. Diese Neu-Verteilung wird nicht konfliktfrei ablaufen.

Einen ersten Eindruck davon könnte der neue Minister am Freitag auf dem Landesbauerntag bekommen – Habecks letztem und Albrechts erstem offiziellem Termin. Und auf der Landwirtschaftsmesse Norla in Rendsburg kann sich dann ja jeder selbst ein Bild machen, wie sich Jan Philipp Albrecht so auf einem Trecker macht, schreibt die shz online.