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Inselbahnhof: Standort eine Glaubensfrage

20.09.2018

Der aktuelle und zukünftige Bahnverkehr nimmt in der politischen Diskussion auf Fehmarn breiten Raum ein. Das liegt nicht nur am derzeitigen Lokführermangel bei DB Regio und den damit verbundenen Zugausfällen. Es ist auch der Standortfrage geschuldet für den Bahnhof der Zukunft: Ausbau und Aufwertung des Kopfbahnhofes Am Steinkamp in Burg oder Verlegung an die internationale Schienentrasse von Hamburg nach Kopenhagen? Eine Glaubensfrage, schreibt das Fehmarnsche Tageblatt (FT)

Für letztere Variante macht sich die Bürgerinitiative (BI) Fehmarn-Beltverkehr stark, in der Stadtvertretung geht die Präferenz hingegen zum zentrumsnahen Kopfbahnhof. Für Peter F. Butenschön von der BI wäre das ein großer Fehler. Er befürchtet, dass die Tourismusinsel Fehmarn ohne Fernhaltepunkt vom Bahn-Fernverkehr komplett abgekoppelt wird. Ein Bahnhof mit Fernhaltepunkt an der Amalienhofer Brücke könnte das verhindern, so auch die Überzeugung der weiteren BI-Mitglieder Hartmut Specht, Claus Küster und Peter Meyer im Gespräch mit dem FT.

Für diesen Fernhaltepunkt trommeln will die BI auch noch einmal in der nächsten Sitzung des Dialogforum Feste Fehmarnbeltquerung am 11. Oktober. Hierfür gebe es einen eigenen Tagesordnungspunkt, berichtet Peter F. Butenschön.

Ein Kopfbahnhof würde letztendlich dazu führen, dass nur noch Regionalverkehr stattfindet, befürchtet Hartmut Specht. „Wir fordern Bestandsschutz für Puttgarden“, setzt sich Claus Küster für ein Verschlechterungsverbot ein, das nur mit einem Fernhaltepunkt Amalienhof erreicht werden könnte.

Die Vorteile liegen für die BI klar auf der Hand: Die Gleise sind hier, wo ein mehrgleisiger Betriebsbahnhof entstehen soll, vorhanden, es müsste nur ein Bahnsteig gebaut werden. Hingegen müsste zum Kopfbahnhof erst ein zweites Gleis gelegt und die Elektrifizierung errichtet werden. Nach dem Motto Zeit ist Geld entfiele die zeitraubende Ein- und Ausfahrt in den Kopfbahnhof. Zudem würde das Angebot eines Fernhaltepunktes zusätzliche Nachfrage generieren, so das FT.

Kritisch bewertet die BI das vom Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (NAH.SH) aufgestellte Szenario, dass im Rahmen eines zukünftigen internationalen Regionalverkehrs im Kopfbahnhof Burg dänische Züge auf dem einen und deutsche Züge auf dem zweiten Gleis einfahren würden und die Reisenden nur umzusteigen bräuchten.

Parallel sieht die BI durch einen Inselbahnhof direkt an der Trasse eine Stärkung und schnellere Entwicklung des angrenzenden Gewerbegebietes. Gleichzeitig würde der negative Effekt vermieden, dass durch zusätzliche Züge, die den Kopfbahnhof anfahren, die Schranken an der Ortsumfahrung häufiger geschlossen wären und vermehrt für Staus sorgten. Zusätzliche Züge bedeuteten auch zusätzlichen Zubringer- und Busverkehr für den Bahnhof Am Steinkamp. Und das bei der ohnehin schwierigen Verkehrssituation im Landkirchener Weg, warnt Claus Küster. Die BI fordert, die Errichtung des Fernhaltepunktes an der Amalienhofer Brücke in das laufende Planfeststellungsverfahren für die Schienenanbindung noch mit einzubringen. Gleichzeitig wolle man auch mal „die Argumente hören, die gegen Amalienhof sprechen. Die hat uns noch keiner gesagt“, so Peter F. Butenschön.

Claus Küster hält es ferner für geboten, dass sich der Bundestag nicht nur mit einer möglichen Mittelgewährung für den überplanmäßigen Lärmschutz an der Trasse befasst, er müsste sich auch mit der Wirtschaftlichkeit der neu zu errichtenden Bahnhöfe befassen. Für ihn stellt ein Inselbahnhof direkt an der Trasse gegenüber dem Ausbau des Kopfbahnhofes die wirtschaftlichere Alternative dar, schreibt das Blatt.

Das Fazit von Hartmut Specht: „Ein Kopfbahnhof ist nicht zukunftsfähig.“