Mit der Festen Fehmarnbeltquerung entsteht damit eine dynamische Entwicklungsachse von Malmö bis nach Hamburg. Das eröffnet neue Chancen wirtschaftlicher Zusammenarbeit, bietet neue Möglichkeiten wissenschaftlicher und kultureller Kooperation, erleichtert binationale Ausbildungswege und fördert einen gemeinsamen Arbeitsmarkt der Fachkräfte.

Denn die Feste Fehmarnbeltquerung wird weit mehr sein als ein reines Verkehrsprojekt, das die steigenden Verkehrsmengen insbesondere des Güterverkehrs in Zukunft aufnehmen wird. Die Feste Fehmarnbeltquerung wird vielmehr ein sichtbares, „in Beton gegossenes“ Zeichen engster Zusammenarbeit zwischen Dänemark und Schleswig-Holstein sein.

Gute Gründe sprechen für das Projekt: Nicht nur kürzere Reise- und Transportzeiten, sondern auch eine bessere Erreichbarkeit der Region, ein gemeinsamer Arbeits- und Absatzmarkt, ein intensiverer Wissenstransfer und Wachstum zum Beispiel im Bereich des Tourismus.

Deshalb hat das Projekt nicht nur für uns in Schleswig-Holstein und für unsere dänischen Nachbarn große Bedeutung, sondern auch für die Europäische Union. Die Feste Fehmarnbeltquerung ist Teil des transeuropäischen Verkehrsnetzes, das die europäischen Länder von Skandinavien bis hinunter nach Italien miteinander verbinden soll, um Handelsbeziehungen zu stärken, Austausch zu fördern und Mobilität im gesamten europäischen Raum zu gewährleisten.

Das muss man in Zeiten, in denen die EU erheblicher Kritik ausgesetzt ist, wohl eigens hervorheben: Der europäische Gedanke setzt auf Verbindendes, auf Austausch, auf den Abbau von Grenzen. Starke Regionen sollen sich so zu einem gemeinsamen Wirtschaftsraum entwickeln, unabhängig von nationalstaatlichen Grenzen. Und genau dafür ist die Fehmarnbeltregion ein hervorragendes Beispiel.

Für die EU hat der Bau der Festen Fehmarnbeltquerung hohe Bedeutung, deshalb gibt es ein klares Bekenntnis aus Brüssel zu diesem Projekt. Das wurde mir auf meiner Brüssel-Reise kürzlich auch noch einmal von Pat Cox, dem EU-Koordinator für die Transeuropäischen Netze, bestätigt. Er sagte, dass die EU für die vorgesehenen 1,7 Milliarden Euro an TEN-Fördermitteln keine reine Stichtagsbetrachtung vornehmen würde, das heißt konkret, das Projekt ist zu bedeutend, um hier die übliche Regel des „take it or loose it“ strikt anzuwenden. 

Mit unseren dänischen Partnern stehen wir auch in sehr engem Kontakt, erst kürzlich war ich in Kopenhagen. Wir haben einen gemeinsamen Fahrplan für das Projekt verabredet.

Es liegen noch einige Hürden vor uns, z.B. die Lärmschutzfrage oder die Eisenbahnkreuzungsmaßnahmen bei der Schienenhinterlandanbindung. Die Landesregierung will alles dafür tun, um den Prozess zu erleichtern und zu beschleunigen. So werden wir die Anhörungs- und Planfeststellungsbehörde direkt an unser Haus binden, um die Abstimmungsprozesse zu verbessern, und das Personal im Team FBQ verstärken.

Ich möchte zur Bedeutung des Wirtschaftsraumes Fehmarnbelt-Region unterstreichen, dass die Landesregierung die Fehmarnbeltregion und den Ostseeraum insgesamt als besonders wichtige Region ansieht und ihre Außenwirtschaftspolitik entsprechend auf dieses Gebiet neu ausrichten möchte. Denn hier sehen wir sehr gute Chancen auf Wertschöpfung und Wachstum.

Das Weltwirtschaftsinstitut in Kiel stellte neulich in einem Gutachten fest, dass die Kooperation im Ostseeraum sehr gut funktioniere. Dass man sich gut kenne, sei wirtschaftlich ein großer Pluspunkt. Und genau darum geht es doch: Die Zusammenarbeit noch weiter zu verstärken und zu intensivieren, nicht „nur“ Außenhandel miteinander zu betreiben, sondern auch auf vielen anderen Gebieten wirtschaftlich und politisch zu kooperieren und voneinander zu lernen, um so den Wirtschaftsraum Ostsee gemeinsam weiterzuentwickeln.

Dynamik entsteht ja nicht aus dem Befund heraus, es sei schon alles gut. Dynamik entsteht, wenn man Ideen entwickelt, wie etwas Gutes noch besser werden kann.

Der persönliche Kontakt ist dabei von entscheidender Bedeutung. Nur wenn man sich kennt und schätzt, sind Kooperationen möglich. Und davon profitieren immer beide Partner und auch die Wirtschaftsregion insgesamt.

Herausforderungen geht man am besten gemeinsam an. Die Zeit der Hanse ist zwar vorbei. Aber an dieses kulturelle und ökonomische Erbe anzuknüpfen, das wäre mein Plädoyer. Ganz im Sinne einer Zukunftsregion Ostsee.

Vor diesem Hintergrund ist das unermüdliche Engagement des Fehmarnbelt Business Council von großer Bedeutung. Es gibt der Region eine Stimme, die den Fokus auf die positiven Entwicklungen legt. Und das ist wichtig, denn sonst könnte der Eindruck entstehen, es gäbe nur Kritiker der Festen Fehmarnbeltquerung. Das ist ja nicht der Fall.

Es ist daher gut, gemeinsam den Fokus auf Chancen und Potenziale zu richten. Und das tut das Fehmarnbelt Business Council, etwa mit den seit 2012 stattfindenden Fehmarn Belt Days. Für Ihr Engagement, das nun schon auf 10 Jahre erfolgreiche Arbeit zurückblicken kann, danke ich Ihnen im Namen der Landesregierung ganz herzlich. Und ich freue mich natürlich schon auf die nächsten Fehmarn Belt Days 2018 in Malmö.