Warum braucht Europa die FBQ?
Warum braucht unsere Region die FBQ?
Warum kann die Fehmarnbeltregion führend in der Welt werden?

 

In nur wenigen Monaten wird die Entscheidung gefallen sein, dass eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte unserer Generation zwischen Dänemark und Deutschland Wirklichkeit wird. Damit wird in Zeiten der Zersplitterung der europäischen Selbstverständlichkeit die enge Verbindung und Einigung Europas durch den Bau des Fehmarnbelttunnels zwischen zwei wichtigen europäischen Ländern buchstäblich zementiert. Damit wird in Zeiten von starken europäischen Zentrifugalkräften das Zentrum und der Schwerpunkt der europäischen Stabilität gestärkt. Nachdem wir in ein Zeitalter des Umbruchs der bisherigen Strukturen eingetreten sind, wird damit wissentlich und willentlich etwas Verbindendes geschaffen, während andernorts isoliert wird.

Das ist nicht nur von großer Bedeutung für die einzelnen Länder innerhalb Europas. Das ist insbesondere entscheidend für die Bedeutung Europas und seiner Wettbewerbsfähigkeit in der Welt. In dieser Dimension wird erst deutlich, wie wichtig die europäische Einigkeit und Stärkung für jede einzelne Region in den europäischen Vaterländern ist. Dies gilt insbesondere für die schwachen Regionen, wie es Ostholstein ist und wie es Lolland/Falster ist.
Die Weiterentwicklung und das Zusammenrücken der nach Zahl, Art und Kultur diversen Regionen wird über den Stand Europas und aller seiner Bürger im kommenden Jahrhundert entscheiden. Klingt groß? Ist es auch. Um nichts geringeres geht es. Und genau dieses Bild wird seit geraumer Zeit versucht, den Bevölkerungen - insbesondere in Norddeutschland - zu vermitteln. 


Wohlstand ist nicht konservierbar

Für die Fehmarnbeltregion zwischen  Hamburg und Kopenhagen, zwischen Lübeck und Nyköbing ist die feste Verbindung ein historischer Fortschritt. Warum es wirtschaftlich und für Norddeutschland und Süddänemark von größter Bedeutung ist, wird bei einem Blick auf wirtschaftliche Statistik und die geographische Lage deutlich. Die Ostseeregion ist die stärkste Wirtschaftsregion Europas mit einem Drittel der gesamten europäischen Wirtschaftskraft. Gleichzeitig ist das Zukunftspotential der Ostseeregion wegen ihrer innovativen und jungen Gesellschaften deutlich höher, als bei den übrigen Regionen. 
Auf der anderen Seite steht Deutschland als größter Exporteur. Wir sind also hier im Norden an der Schnittstelle zwischen dem größten Exporteur und dem stärksten Wirtschaftsraum. Wohlstand ist nicht konservierbar. Er muß von jeder Generation in Verantwortung für die Zukunft für die kommende Generation erarbeitet werden. Wir sind es unseren Kindern und Enkeln schuldig, daß wir daraus etwas machen und die Region zukunftsfähig machen.

Von besonderem Vorteil ist, daß derzeit auch „Rail Baltica“ realisiert wird. Das ist eine Eisenbahnverbindung von Finnland über das Baltikum via Polen bis Berlin. Zusammen mit der Festen Fehmarnbeltquerung haben wir dann ein Hufeisen um die stärkste Wirtschaftsregion Europas und mit uns als stärkstem Exporteur an der Schnittstelle. Dies ist für Norddeutschland und Süddänemark ein einmaliger und historischer Vorteil.  

Alle Projektbeteiligten versuchen deshalb seit Jahren und ohne Unterlaß, mit faktenbasierter Information zu überzeugen. Die Gegner fordern wiederholt den Faktencheck. Es ist aber natürlich schwierig, jemanden zu überzeugen, der gar nicht an den Fakten interessiert ist, wenn sie seine eigene Meinung nicht stützen; wenn die Gegner die Fakten dann gar nicht hören wollen oder die Fakten rundheraus als Unwahrheit ablehnen.

 

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Es ist vollkommen legitim, ein Gegner der FBQ zu sein. Genauso legitim ist es, ein Befürworter der FBQ zu sein. Eine leidenschaftliche und auch öffentliche Diskussion ist Beweis einer lebenden Demokratie und einer lebenden Gesellschaft, solange sie sachlich und fair sowie ohne persönliche Angriffe geführt wird.

 Es ist gut und richtig, wenn die Argumente ausgetauscht werden, weil dadurch mit Sicherheit das beste fachliche Ergebnis erzielt werden kann. Dazu zählen auch ausdrücklich das Verbandsklagerecht und die Bürgerbeteiligung. Sie sind beide eingeführt worden, um geplante Projekte zu verbessern und durch sie möglicherweise entstehenden Beeinträchtigungen zu mildern. 

Die Väter unserer Verfassung, die Versammlung vom Herrenchiemsee und viele andere Architekten des Hauses „Deutsche Rechtsordnung“ hatten das Verbandsklagerecht und die Bürgerbeteiligung nicht in der Statik des Hauses „Deutsche Rechtsordnung“ vorgesehen. So mußten Sie dann gleichsam als Balkon an die Rechtsordnung angebaut werden. Dabei wurde einiges in der Statik übersehen. 

 

Beim Verbandsklagerecht fehlt eine einfache Regelung, die schon meine Mutter mir permanent unter die Nase rieb: Wer Rechte haben will, muß auch Pflichten haben. Es ist zu erwarten, daß das Verbandsklagerecht nicht nur in Deutschland, sondern in Europa an eine geordnete und verantwortungsvolle Beteiligung in der Projektplanung gebunden wird. 

Bei der Bürgerbeteiligung hingegen kann man dem Gesetzgeber kaum Vorwürfe machen. Woher sollte er wissen, daß es so etwas wie ein Internet geben würde und auf einmal Einwendungen auf Standardvordrucken durch „Betroffene“ aus aller Herrenländer vorgebracht werden könnten. Woher sollte der Gesetzgeber seinerzeit wissen, dass sich Agenturen im Internet mit bewußt irreführenden Informationen eine große virtuelle Gefolgschaft kreieren, die den irreführenden Eindruck eines großen Widerstandes erwecken soll.

 

In bezug auf die Fehmarnbeltquerung gibt es aber repräsentative Umfragen der Institute forsa und ipsos. Diese belegen eindrucksvoll, daß der Widerstand gegen die Feste Fehmarnbeltquerung trotz größter viraler Anstrengungen nicht mehr als 8-12 % in der Region beträgt. Vielmehr sind dreiviertel der Bürgerinnen und Bürger nicht gegen das Projekt und zwischen einem Drittel und der Hälfte – Tendenz steigend – sind sogar ausdrückliche Befürworter des Projektes. 

 

Verhinderer kommen nicht in Geschichtsbücher. 

Viele regionale Unternehmen bemühen sich nach Kräften darum, an diesem größten Konjunkturprogramm seit Dekaden oder vielleicht seit Jahrhunderten teilzuhaben und damit die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konjunkurunabhängig zu sichern. Dabei haben die oft inhabergeführten Familienunternehmen bereits zweistellige Millionenbeträge aus der eigenen Tasche und auf eigenes Risiko investiert. Es ist deshalb höchst unredlich, unsere heimatlichen Unternehmen in die „Böser Kapitalismus“-Ecke zu stellen. 

Die Baltic FS hat 20 Unternehmen aus Holstein hinter sich vereinigt, um zusammen mit ihren dänischen Partnern eine Chance zu haben, so viele Aufträge wie möglich bei uns in der Region zu halten. Damit investieren diese Unternehmer aus ihrer eigenen Kasse und auf eigenes Risiko in die Chance, dass sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch dann gute Arbeit mit gerechten Löhnen geben können, wenn die Konjunktur abflaut. Es ist nicht legitim, diejenigen anzugreifen, die sich darauf vorbereiten, was auf uns zukommt, wenn der Tunnel kommt. 

 

Deshalb fordere ich alle Gegner des Tunnels auf, mit uns an einem Strang zu ziehen und zwar in dieselbe Richtung. Bleiben Sie ein Gegner der FBQ, wenn Sie die guten Argumente der Befürworter nicht überzeugen, aber unterstützen Sie die Menschen und Unternehmen auf Fehmarn, auf Lolland/Falster und in der Region, die hart arbeiten wollen, um ihre Familien zu ernähren und unsere Renten zu sichern. Wenn wir uns hier ständig gegenseitig bekriegen, können wir nicht geschlossen gegen andere stehen.

Daher könnte die Baltic FS ein geeigneter Gesprächspartner sein, um mit den organisierten Gegnern der FBQ einen Kompromiß zu finden, bei dem die Gegner das Ob akzeptieren und die Befürworter bei den Vorstellungen nach dem Wie unterstützen. Wir bieten Ihnen einen Dialog dazu an.

 

Fehmarnbeltregion kann weltweit führend werden

Es ist nichts Neues, daß eine prosperierende Gesellschaft auf den drei Säulen Nachwuchs, Bildung und Infrastruktur stehen muß, geschützt von einem starken Dach einer wirkungsvollen Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß sich bei der Digitalisierung und der Mobilität in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren grundlegende Änderungen in der Welt abzeichnen. 

 

Digitalisierung ist leider nur ein Schlagwort und danach gefragt, haben die meisten von uns nur Bilder im Kopf, die durch den Begriff Technologisierung besser beschrieben werden. Auch die Übernahme von bisher von Menschen ausgeführten Tätigkeiten durch Maschinen ist nur Technologisierung. Künstliche Intelligenz ist die möglicherweise avancierteste Form der Digitalisierung, aber wenn wir uns an den Gedanken gewöhnen, daß durch die Digitalisierung gänzlich neue Bereiche entstehen, die wir uns heute nur schwierig vorstellen können, sind wir möglicherweise auf einem guten Weg. 

Es ist bekannt, daß sich die Menge an Daten bereits um ein tausendfaches vermehrt hat und die Anzahl der zu speichernden Daten nimmt weiterhin exponential zu. Für die Speicherung, Verwaltung und Nutzung der Daten braucht man riesige Anlagen, die unglaublich viel Strom benötigen. Beides haben wir in der Fehmarnbeltregion reichlich. Es ist ohnehin niemandem erklärlich, daß man den volkswirtschaftlichen Irrsinn begeht, für stillstehende Windmühlen zu zahlen. Dieser Strom kann genutzt werden.

 

Die Mobilität wird sich im Hinblick auf Brennstoffe und autonome mobile Möglichkeiten ebenfalls grundlegend ändern; grenzüberschreitend, industrieübergreifend, herstellerunabhängig. Wir werden wohl erst mittelfristig einen vollwertigen Energielieferanten als Alternative zu Diesel und Benzin gefunden haben. Die teure, aufwendige, umweltbelastende und rohstoffraubende Produktion von Batterien in Fahrzeugen, ihre überschaubare Lebensdauer, die Netzbelastung, wenn jeder lädt und insbesondere die Entsorgung von alten Batterien sind nahezu unüberwindbare Hürden. Die E-Mobilität auf Wasserstoffbasis ist eine echte Alternative, die bereits jetzt sehr weit erforscht ist. Sowohl die Autohersteller wie auch die großen Energiekonzerne sind in die Phase der praktischen Umsetzung eingestiegen. Aber auch die Wirtschaft in Schleswig-Holstein und in Dänemark ist bereits mit Projekten zur Umsetzung beschäftigt.

 

In meiner Idealvorstellung haben wir mit Eröffnung der Fehmarnbeltquerung im Jahre 2028 eine Wasserstoffgrundversorgung zwischen Hamburg und Kopenhagen, die uns zur ersten CO2-neutralen Logistikregion der Welt machen könnte. Das ist gar nicht weit weg. Jede Tankstelle kann mit einer Wasserstoffversorgung versehen werden. 

Deshalb führen die Entwicklungen in Digitalisierung und Mobilität dazu, daß die Fehmarnbeltregion für die nächsten 50 bis 100 Jahre weltweit führend werden kann. Der Weg dahin ist nicht so weit, aber gehen müssen wir ihn schon selbst.

 

Wir gehen schon. Wer kommt mit?

Last Edited 23 May 2018